Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Für Rechtsextreme gibt es vermutlich einen Baukasten für Vorurteile. Nach dem Hack von Mailkonten der AfD könnte man sich den mal ansehen.

Emma geht in Rente

Statt Altersteilzeit folgt für das Magazin „Emma“ nach 50 Jahren das komplette Aus. Was Alice Schwarzer dazu veranlasste, das Abenteuer ihres Lebens zu beenden, ist derzeit noch nicht bekannt. Auch nicht, ob das Magazin unter einem anderen Namen von Sahra Wagenknecht weitergeführt wird. Trotz ihres späten Ausflugs ins Schwurbelland sind die Verdienste von Schwarzer und „Emma“ auf jeden Fall nicht von der Hand zu weisen.

Wie dem auch sei, eigentlich wollte ich über die vergangene Woche schreiben. Über den Herbsturlaub auf Borkum, der überraschend wenig Herbst in sich hatte, dafür aber reichlich Sonnenschein. Direkt zu Beginn des Urlaubs ist mir aufgefallen, dass es die merkwürdige Buchhandlung auf Borkum nicht mehr gibt. An sich eine gute Nachricht, aber die Verkaufsfläche steht leer, wie so vieles andere auf Borkum, unter anderem auch die ehemalige Nordseeklinik. Am viel gescholtenen Onlinehandel wird es auf der Insel wohl eher nicht liegen.

Immerhin, ein paar Dinge sind stabil geblieben, etwa das phänomenale „Sturmeck“ auf Borkum. Die Muscheln in Sahne-Sanddornsauce sind eines der vielen kulinarischen Highlights im Restaurant.

Weniger phänomenal war in der Urlaubswoche das fehlende Training im Fitnessstudio, verbunden mit häufig guten Mahlzeiten. Da hilft es auch nicht, über die Insel zu wandern. Netto ein Kilo mehr auf der Waage ist schon hart. Zum Glück konnte ich zumindest die Fitness dank Theraband und täglicher Nutzung am Abrutschen in den Keller hindern.

Bücher aus dem Baukasten

Im Keller war dafür dann meine Stimmung nach der Lektüre des zweiten mit in den Urlaub genommenen Buches. Vielleicht hätte ich vor dem Kauf die Rezension in der Süddeutschen Zeitung zu „Der Waldmeister“ von Jens Sparschuh (nicht Spahn) noch mal sorgfältig bis zu Ende lesen sollen. Was am Anfang gut klang, wurde bei der Lektüre dann mehr oder weniger zu einem Totalausfall. Lange Abrisse über Karl May und Friedrich Eduard Bilz, vermischt mit Klischees aus dem Baukasten. Gibt es eigentlich einen Baumarkt für Schriftsteller, wo sich jeder, der dem Hobby frönt, seine Teile zusammensuchen und zu Hause selber etwas zusammenfuschen kann, wie die ganzen selbsternannten Freizeit-Handwerker in Deutschland?

Sparschuh hat eine ukrainische Küchenhilfe, die vor dem Krieg in ihrer Heimat geflohen ist, in den Roman eingebaut. Deren Beschreibung entspricht in etwa dem, was man in einer beliebigen Autorenschule als abschreckendes Beispiel für ein Klischee vermittelt bekommt.

Am Ende des Buches konnte ich daher in meinem Kopf laut Geschirr auf dem Boden zerdeppern hören.

Das dritte Buch im Urlaub, „Der Stoffwechsel-Kompass“ von Ingo Froböse, kaufte ich mir dann bei Thalia auf Borkum als eine Art geistiger Notwehr gegen die vorherige Lektüre. Ein lesenswertes Sachbuch zur Beruhigung.

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