Leider wurde in Sachsen-Anhalt keine KI als politischer Vertreter der Bevölkerung gewählt. Es blieb nur eine schlechte Alternative.
Im Macht-Rausch
Bevor ich auf das Thema Künstliche Intelligenz zu sprechen komme, lässt sich das Thema natürliche Dummheit nicht vermeiden. Sie steht wie ein Elefant im Raum und ist gerade dabei, das Porzellan im Laden mit dem schönen Namen „Demokratie“ zu zerschlagen.
Nach wie vor gibt es eine Reihe von Thesen, warum die AfD in Sachsen-Anhalt mit Abstand stärkste Fraktion wurde. Dass die Wähler und Wählerinnen (bewusst in umgekehrter Reihenfolge, aus Gründen) es „denen da oben“ aus Protest lediglich „mal zeigen wollten“, wo der Hammer hängt, halte ich für überholt. Machen wir uns nicht weiterhin etwas vor. Die AfD in Sachsen-Anhalt hat gewonnen, weil ein großer Teil der Menschen entweder einfach zu blöd ist, deren Wahlprogramm zu verstehen, oder aber, weil sie schlichtweg Nazis sind – was im Übrigen nicht nur auf Sachsen-Anhalt und andere ostdeutsche Bundesländer beschränkt ist.
„So geht die Freiheit zugrunde. Mit donnerndem Applaus.“
— Padmé Amidala
Der gestrige Tag dürfte als neuer Tiefpunkt in die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland eingehen. Mit Tobias Rausch von der AfD wurde in Sachsen-Anhalt zum ersten Mal ein Rechtsextremer zum Landtagspräsidenten gewählt. Dabei bekam er vier Stimmen mehr, als AfD und BSW zusammen haben. Es unterstützt also nicht nur das BSW die AfD, sondern auch noch Abgeordnete aus anderen Parteien. Man munkelt, es seien welche von der CDU, aber Genaues weiß man derzeit nicht.
Während man in der BSW-Fraktion die getroffene Entscheidung zur Unterstützung von Rausch verteidigt, streitet die CDU-Fraktion vehement ab, dass einer aus ihren Reihen für Rausch gestimmt hat.
Unbestritten dagegen dürfte der sich anbahnende Wahlerfolg des Raumdufters im Dezember sein, mit dem dann als nächster Tiefpunkt ein Rechtsextremer Ministerpräsident eines Bundeslandes wird.
Untergang mit KI gestalten
Für den Untergang brauchen wir entsprechend keine KI, aber damit würde es vermutlich bequemer gehen. Verlassen wir die ostdeutschen Niederungen und schauen uns an, was sich an anderer Stelle tut. In der Süddeutschen Zeitung gab es am Montag ein lesenswertes Interview mit Arthur Mensch (der heißt wirklich so), Chef des europäischen KI-Unternehmens Mistral.
Im Gegensatz zu den US-amerikanischen Chefs von OpenAI, Anthropic und anderen hält er eine durch KI hervorgerufene Apokalypse für eher unwahrscheinlich. Letztendlich sei KI lediglich ein Werkzeug, das man über die Kommandozeile abschalten könne. Die Proklamation von Untergangsszenarien, ausbrechenden KIs und Fragen nach einem Bewusstsein von KI sind seiner Meinung nach reines Marketing. Angst spielt seiner Meinung nach auch eine Rolle, aber nicht vor der KI, sondern vor Open-Source-KI, die das eigene Geschäftsmodell gefährdet.
Regulierungsvorhaben sieht er ebenfalls kritisch, weil sie vor allem dazu dienen, große Konzerne zu stärken und kleine, agile Unternehmen aus dem Geschäft zu drängen.
Auch wenn mir sein Loblied auf Open-Source-KI generell gefällt, teile ich die Einschätzung von Arthur Mensch nicht zu 100 Prozent. Zum einen sollte man immer berücksichtigen, dass Künstliche Intelligenz nicht nur als Werkzeug, sondern auch als Waffe verwendet werden kann. Zum anderen wäre ich persönlich extrem vorsichtig mit Einschätzungen in einem Bereich, der sich extrem rasant entwickelt. Ich jedenfalls würde nicht mein Leben darauf verwetten wollen, dass die Doom-Szenarien lediglich ein Marketing-Gag sind.
Erstaunlicherweise finden sich in der Literatur und in den Filmen viele Beispiele, in denen genau solche Doom-Szenarien eine Rolle spielen.
Ein Kommentar
und eben diese Doom-Szenarien kennen auch die KIs, man hätte sie vielleicht nicht in die Schulungsdaten einbinden sollen! :-)
Das mit „man kann sie doch mittels Kommandozeile abschalten“ mag stimmen, trifft aber das Problem nicht! Eine abgeschaltete KI kann auch ihre nützlichen Funktionen nicht mehr bereitstellen. Es geht immer nur „ganz oder garnicht“ – und selbst in angeblich gesicherten Testumgebungen haben es KIs ja geschafft, mittels Agenten ins Netz zu kommen und fremde Server zu infiltrieren.
Was wiederum garnicht gleich, sondern erst nach Tagen bemerkt wurde…
Da „agentische KI“ jetzt überall als der neue heiße Scheiss angepriesen wird, bezweifle ich, dass die jeweiligen Anwender in der Lage sind, jegliches Fehlverhalten rechtzeitig zu bemerken und abzuschalten!
Was die AFD-Wähler angeht, neige ich nicht zu Verallgemeinerungen. Es gibt „so’ne und solche“, wie überall.