Mittlerweile dürfte die CDU in Sachsen in Teilen als gesichert anders gelten. Wie sonst ließe sich ihre Ablehnung von Stolpersteinen erklären?
Vom Strandkorb zur Staatsaffäre
Sein Home Office kann man im Rahmen gewisser steuerlicher Parameter so gemütlich, wie man es für angemessen hält, gestalten. Aus der Zeit vor dem Home Office kenne ich allerdings die Bestrebungen der Büroangestellten, das auch mit dem ihnen zur Verfügung gestellten Büro zu machen.
Wenn man schon einen nicht unwesentlichen Teil seiner Lebenszeit im Büro verbringt, möchte man zumindest ein paar Gegenstände darin haben, die es etwas persönlicher machen. Selbst Fernfahrer haben ein blinkendes Namensschild vorn im Wagen und einen personalisierten Duftbaum.
Wenn also ein Politiker in Berlin auf eigene Kosten einen Strandkorb aus seiner Heimat auf den Balkon seines Büros stellen lässt, ist das nicht dekadent. Auch Politiker sind Menschen, selbst wenn das einige Schreihälse im Land nicht wahrhaben wollen. Und auch Politiker dürfen mal für einen Moment Pause machen. Warum also nicht in einem Strandkorb?
Der Skandal im Falle von CDU-Staatsminister Philipp Amthor und seinem Strandkorb ist der, dass man daraus einen Skandal macht. Es gibt einen festen Willen zur Destruktion. Man will sich hier gezielt an der Person Philipp Amthor abarbeiten. Über Parteigrenzen hinweg muss man daher in aller Deutlichkeit Solidarität zeigen.
In den letzten Tagen bin ich nicht über Strandkörbe gestolpert, sondern über die Meldung, dass die Steine, die an unsere ermordeten Mitbürger erinnern sollen, offensichtlich nicht mehr ins Stadtbild von Heidenau passen.
AfD hasst Stolpersteine
Bundesweit werden und wurden sogenannte Stolpersteine verlegt, um an die Deportation und Ermordung von Menschen während der NS-Zeit zu erinnern. Für eine Partei, die in einigen Bundesländern bereits als gesichert rechtsextremistisch gilt und für die die nationalsozialistische Terrorherrschaft ein „Vogelschiss in über 1000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte“ ist, sind Stolpersteine natürlich ein Störfaktor.
Dass die AfD im sächsischen Heidenau die Stolpersteine als nicht angemessen im öffentlichen Raum empfindet, verwundert nicht. Wohl aber, dass sich auch die dortige CDU sowie ein sogenanntes „Bündnis Oberelbe für mehr Demokratie“ so äußern und daher gemeinsam mit der AfD einem Beschlussantrag zur Mehrheit verholfen haben.
Natürlich sind die Stolpersteine auch so konzipiert, dass man auf sie tritt und es einem im besten Fall unangenehm ist. Sie durch eine alternative Form des Gedenkens zu ersetzen ist genauso wenig eine Alternative, wie es die AfD ist.
Selbst aus der CDU gibt es laute und prominente Gegenstimmen zu dem Beschluss aus Heidenau. Die Bundesbildungsministerin Karin Prien bezeichnet ihn schlichtweg als Skandal.
Wer Stolpersteine und Gedenkorte jüdischen Lebens aus dem öffentlichen Raum auf den Friedhof verbannt, stellt das Sterben über das Leben und macht Jüdinnen und Juden noch einmal unsichtbar.
Karin Prien
Das Zitat von ihr trifft es auf den Punkt. Stolpersteine wollen und sollen das Verbrechen sichtbar machen, und zwar im öffentlichen Raum.