Der Klimawandel ist im Kern auch eine Herausforderung für die Demokratie. Nur zusammen können wir Klimaschutzmaßnahmen erfolgreich umsetzen.
Waldbrände in der Eifel
Bevor ich im Sommer 2020 mit meiner Frau nach Emden gezogen bin, haben wir 10 Jahre lang in Köln gelebt. Neben einer Reihe von anderen Gründen waren es auch die zunehmend heißen Sommer, die uns dazu bewogen haben, der Stadt den Rücken zu kehren. In Bezug auf Köln fiel uns der Abschied leicht, was wir aber nach wie vor vermissen, ist die Umgebung. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln lässt sich die Eifel von Köln aus gut erreichen, wir waren dort oft zum Wandern. So auch im Ahrtal. Die Flutkatastrophe 2021 ging uns daher besonders nah, weil wir viele der betroffenen Orte kannten.
Wenn wir jetzt Bilder vom niedrigen Pegelstand des Rheins bei Köln sehen, ist es ebenso. Schrecklich ist es für mich auch, die Waldbrände in der Eifel mitanzusehen. Insbesondere im Naturschutzgebiet Hohes Venn im deutsch-belgischen Grenzgebiet. Die Einsatzkräfte hoffen auf Regen, der hier in Emden fällt, während ich diese Zeilen schreibe.
Sowohl die Flut im Ahrtal als auch die Waldbrände in der Eifel lassen sich auf den Klimawandel zurückführen. Es reicht dann eine kleine Portion Fahrlässigkeit, um aus den Ereignissen eine Katastrophe zu machen. Ein Funke genügt genauso wie falsche Bebauung und Brücken, in denen sich Treibgut verfängt und das Wasser aufgestaut wird.
Sichtbarer und unsichtbarer Klimawandel
Die Flutkatastrophe und auch die Waldbrände sind deutlich sichtbare Zeichen des Klimawandels, genau so wie schmelzende Gletscher. Man kann die Ereignisse in Fotos festhalten. Wenn es jedoch in den Städten zu heiß wird und die Menschen unter der Hitze leiden, hat man auf den Fotos nur schönes Wetter. Erst wenn Teerdecken schmelzen und Schienen sich verbiegen, lässt sich die Hitze sichtbar machen.
Darauf und auf die Zusammenhänge kann man immer wieder verweisen. Geht es jedoch darum, Lösungsvorschläge zu erarbeiten und zu präsentieren, steht man vor einer besonderen Herausforderung. Abgesehen davon, dass es nach wie vor Menschen gibt, die den Klimawandel leugnen, ist ein großer Teil nicht darauf vorbereitet, was der Klimawandel für uns alle bedeutet. Er ist eine enorme weltweite Herausforderung – an die Weltgemeinschaft, an Kontinente und einzelne Staaten. Das geht hinunter bis hin zu Städten und Gemeinden und ja, auch zu jedem Einzelnen von uns. Wenn es darum geht, Verantwortung für den Klimawandel und Klimaschutzmaßnahmen zu übernehmen, ist auch jeder Einzelne von uns gefragt. Hier ist es vor allem die Bereitschaft, das eigene Handeln und den eigenen Lebensstil zu überdenken. Am gescheiterten Gebäudeenergiegesetz konnten wir verfolgen, wie es darum bestellt ist.
Die unbequeme Wahrheit an dieser Stelle: Klimawandel und Klimaschutzmaßnahmen erfordern auch Verzicht. Ein Weiter-so wird ebenso wenig reichen wie das Setzen darauf, dass sich irgendein staatlicher Akteur findet, der das alles schon löst.
Ein Kommentar
Viele hören einfach nicht mehr hin, wenn über Klimapolitik geredet wird – oder sie tun es nur noch, um anschließend ein paar „nette“ Worte darüber zu verlieren. Insbesondere im Springer-Imperium wird das so ausdauernd praktiziert, dass einen die Stimmung in Deutschland kaum noch wundern kann. Zum Glück gibt es auch die anderen. Nur finden sie offenbar keine Möglichkeit, die notwendigen Mehrheiten zu organisieren. Dafür sorgt nicht zuletzt die zunehmende Polarisierung.
Und das gilt leider auch auf globaler Ebene. Ausgerechnet das autoritär geführte China scheint beim Ausbau klimafreundlicher Technologien in mancher Hinsicht schneller voranzukommen als der vom Kapitalismus geprägte sogenannte Westen.