Für Gewalt gibt es in unserer Zivilgesellschaft keinen Platz. Das gilt ausnahmslos und sollte allgemeiner Konsens sein.
Sieben auf einen Streich
Am Montag fand der Wahltalk der Emder Zeitung im Festspielhaus am Wall statt. Sieben der OB-Kandidaten nutzten die Möglichkeit mehr oder weniger, um ihre Positionen darzustellen. Wobei durch das enge Fragenkorsett, welches längst nicht alle Themengebiete abdeckte, die Möglichkeiten leider doch etwas begrenzt waren.
Eine vollständige Bewertung des Wahltalks überlasse ich anderen, auch die Einschätzung, ob es sich bei der Veranstaltung um eine Diskussion oder eher um eine mündliche Abiturprüfung gehandelt hat. Die Moderierenden wirkten auf mich jedenfalls streckenweise so, als hätten sie Vergnügen an ihrer Lehrerrolle.
Wie dem auch sei, mir geht es um etwas ganz anderes, und zwar um die Frage, die Darinka Herrmann an Reza Darbani zum Thema Gewalt stellte. Wie er zum Thema Gewalt steht, brachte er bereits zu Anfang seiner Antwort auf den Punkt:
Manchmal muss man tun, was man tun muss.
Dem und seiner gesamten weiteren Ausführung möchte ich auf entschiedenste Weise widersprechen. Er kenne niemanden seiner Generation, der zu Hause keine Prügel bekommen hat — soll das eine Rechtfertigung sein? Mal überlegen, wie ich es an dieser Stelle am besten erkläre. Genau wie Herr Darbani gehöre ich der sogenannten Generation X an. Den Spruch „Eine anständige Tracht Prügel hat noch niemandem geschadet“ kenne ich nicht nur aus der Theorie. Anders als Herr Darbani halte ich eine Tracht Prügel aber nicht für eine adäquate Erziehungsmethode, ganz im Gegenteil.
Gewalt erzeugt Gewalt
Wer für das Amt des Oberbürgermeisters kandidiert, sollte unser Grundgesetz kennen. In Artikel 2 Absatz 2 steht Folgendes:
Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit.
Niemand schreit nach Prügel, wie Darbani behauptet. Insbesondere Kinder nicht. Gewalt lässt sich auch nicht mit einer anderen Kultur rechtfertigen. Unser Rechtssystem gilt für alle Menschen, die hier leben. Egal welche Hautfarbe und welches Geschlecht sie haben oder welcher Religionsgemeinschaft sowie Kultur sie angehören.
Wenn Herr Darbani zum Ausdruck bringt, dass er früher selbst geschlagen wurde, und daraus dann ableitet, Gewalt sei ab irgendeinem Punkt eine Lösung, dann liegt er falsch. Gewalt ist keine Lösung, sie erzeugt nur wieder neue Gewalt. Darbani ist hier selbst ein Beispiel: Wer Gewalt erfährt, tendiert deutlich häufiger dazu, Gewalt als Lösungsmittel für Konflikte zu halten.
Ich für meinen Teil halte Gewalt sowie Prügel(-strafe) als Erziehungsmittel für absolut unangemessen. Erschrocken hat mich im Übrigen, dass erst seit dem 8. November 2000 durch das „Gesetz zur Ächtung der Gewalt in der Erziehung“ das Schlagen von Kindern in der Erziehung vollständig verboten wurde. Leider wird das wohl nicht den „Klaps auf den Po“ oder andere Arten der Bestrafung verhindern. Insbesondere nicht bei Eltern, die selbst Gewalt als Erziehungsmethode erfahren haben.