Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Längst hat der Döner in Deutschland die Bratwurst als beliebtestes Fastfood abgelöst. Über die Preise von Bratwürsten wird allerdings nicht so heftig gestritten.

Niemand mag unbequeme Wahrheiten

Beim kommunalpolitischen Gespräch vergangene Woche im Max-Windmüller-Gymnasium kam zum Glück nicht die Frage auf, wie man zum Döner für 3 Euro stehe. Die Antwort von mir hätte vermutlich auch nicht zu meiner Beliebtheit beigetragen, so wie das bereits beim Thema Klimawandel der Fall gewesen ist. Die meisten, auch nicht junge, Menschen wollen halt nicht hören, dass wir unseren Wohlstand einschränken müssen.

Nun denn. Mich hat das Döner-Thema allerdings dann doch weiter beschäftigt, vermutlich weil ich mich mit Söderitis angesteckt habe. Aber keine Angst, ich werde keine Fotos von mir mit Döner in der Hand posten. Selber einen Döner habe ich zum letzten Mal gefühlt vor ziemlich langer Zeit gegessen. Genaues Datum weiß ich nicht mehr, aber wo, weiß ich noch: Köln-Mülheim, in einem Dönerladen auf der Keupstraße. Ungelogen, dort gibt es die besten Döner. Gut, das mag jetzt vielleicht Ansichtssache sein, aber beim Preis eines Döners geht es nicht um Subjektivität.

Scrollen wir in meiner persönlichen Timeline ganz weit zurück, Anfang der 1990er Jahre, als auch im niederrheinischen Wesel die ersten Dönerbuden entstanden. Bezahlt wurde der Döner noch in DM (Deutsche Mark). Der Preis lag zwischen vier und fünf DM in Wesel, in anderen Städten wurde auch schon mal sechs DM aufgerufen. Das kann man jetzt natürlich in Euro umrechnen, aber aus dem Alter sollten wir raus sein. Oder aber in einem Alter, wo wir nur den Euro als Währung kennen.

Preissteigerung beim Döner

Ach was soll’s, rechnen wir trotzdem mal grob um. Der Preis damals würde umgerechnet zwei bis drei Euro entsprechen. Peng. Da ist er, der Döner für drei Euro. Bleiben wir bei Zahlen. Von 1990 bis heute sind es 36 Jahre. Wer einen Döner für drei Euro fordert, verschließt die Augen vor den Preissteigerungen in den letzten Jahrzehnten.

Damit Preissteigerung keine Worthülse bleibt, füllen wir sie mal mit Leben. Höhere Löhne (möchte ja jeder gerne für sich), gestiegene Energiepreise, höhere Kosten für Lebensmittel, höhere Mieten — es gibt noch eine Menge mehr wie etwa die Lohnnebenkosten, die auch im Dönerpreis mit drinstecken.

Wer einen Döner für drei Euro fordert, nimmt dabei drei Dinge in Kauf: Ausbeutung des Personals durch niedrige Löhne beziehungsweise die Selbstausbeutung des Besitzers, der bei dem Preis nicht wirklich überleben kann, schlechte Lebensmittel und das Elend der Tiere. Denn billiges Fleisch kann es nur geben, wenn man das Tierwohl mit Füßen tritt.

Der Döner ist am Ende nicht günstig, sondern billig in jeder Hinsicht. Wenn man das so möchte, ist einem vermutlich auch an anderer Stelle so einiges egal.

Ein Kommentar

  1. 6 DM in 1990 entspricht heute in etwa 6,50 Euro. Wenn er heute um die 8 Euro kostet, kommt das ja fast hin. Persönlich würde ich sowieso keinen Döner für drei Euro essen, irgendwo müssten die Kosten nämlich eingespart werden. Da könnten die Nörgler ja mal raten, wo wohl eingespart würde. 🤢

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