Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Leihmutterschaft günstig gesucht

Bei einer Leihmutterschaft werden Kinder zur Ware und Frauen zu Objekten degradiert. Geld ersetzt keine moralische Haltung.

Doppelt ohne Moral

Fangen wir mit der guten Nachricht an. Jens Spahn ist als CDU-Fraktionsvorsitzender im Bundestag zurückgetreten. Was der Kauf einer Luxusvilla in Berlin-Dahlem sowie der dubiose Maskendeal nicht zu schaffen vermochten, wurde jetzt durch Nachwuchs in der Familie ausgelöst. Jens Spahn und sein Lebenspartner bekamen den Nachwuchs durch eine Leihmutterschaft in den USA. Angesichts der bisherigen Haltung von Spahn, der sich bisher für ein Verbot der Leihmutterschaft in Deutschland eingesetzt hatte, kann man in diesem Zusammenhang durchaus von Doppelmoral sprechen.

Selbst in der CDU mit ihren Resten an christlichen Werten stieß das Verhalten von Spahn auf Ablehnung. Am Wochenende zog er daher die Reißleine und ging erst einmal in „Vaterschaftsurlaub“.

Jetzt gibt es natürlich in Deutschland unterschiedliche Ansichten zum Thema Leihmutterschaft. Es gibt eine durchaus breite Masse mit einer deutlich ablehnenden Haltung, zu der unter anderem der Ex-Kanzlerkandidat Armin Laschet gehört. Auch wenn ich sonst mit ihm wenig Gemeinsamkeiten haben dürfte, gibt es in diesem Punkt eine hundertprozentige Übereinstimmung.

Scharf kritisiert Laschet die Rechtswissenschaftlerin Frauke Brosius-Gersdorf, die sich für eine Abkehr vom Leihmutter-Verbot aussprach. Getragen wird diese Forderung oft von dem, was in Sachen Abtreibung gelten sollte: Über den Körper der Frauen haben nur sie selbst zu entscheiden.

Allerdings sind Abtreibung und Leihmutterschaft zwei völlig verschiedene Paar Schuhe.

Neunmonatige Vergewaltigung

Lassen wir diese angeblich altruistische Leihmutterschaft mal kurz außer Acht. Im Kern geht es meiner Meinung nach doch um Folgendes: Eine Frau stellt gegen Geld ihren Körper zur Verfügung. In meinen Augen ist das gleichzusetzen mit Prostitution. Das Leihmutter-Verbot schützt die Würde der Frau und verhindert eine Degradierung der Frau zu einem Reproduktionsobjekt.

Wer eine Leihmutter in Anspruch nimmt, tut dies ausschließlich zur Befriedigung eines narzisstischen Bedürfnisses. Um es in aller Deutlichkeit zu sagen: Kinder sind nicht die Lösung für ein psychologisches Problem. Das gilt im Übrigen für jede Beziehung, auch für Paare, die ohne Leihmutter Kinder bekommen können.

Für mich ist das Leihmutter-Verbot in Deutschland etwas, an dem man nicht rütteln sollte. Wer es dennoch tut, hat ein paar grundsätzliche Dinge nicht verstanden. Wer es wie Jens Spahn und sein Mann untergräbt, pfeift auf Moral und meint, sich mit Geld alles kaufen zu können — sogar Kinder.

Ein Kommentar

  1. Moin, ich lese Deinen Blog seit langer Zeit und wollte nur einmal Danke sagen. Du schreibst mir einige Dinge echt von der Seele. Danke dafür.

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