Traumatische Erfahrungen mit dem Sommerloch haben nicht nur Politiker gemacht. Irgendwann zieht es jeden rein.
Schatten der Wahlen
Ich erinnere mich noch an Sommer, da gab es nicht nur richtige Sommer, sondern auch echte Sommerlöcher. Gekennzeichnet waren diese von Nachrichtenarmut und Ereignislosigkeit. Genau diese Zeit, in der maximal ein Krokodil im Badesee für Aufregung sorgte, wünsche ich mir aktuell zurück. Selbst wenn der Bundestag in die parlamentarische Sommerpause geht, bleiben uns täglich Schlagzeilen aus dem In- und Ausland. Schlagzeilen, die für mehr als schlechte Laune sorgen.
Seit über vier Jahren führt Russland einen Vernichtungskrieg gegen die Ukraine. Mit Unterbrechungen geht der Krieg der USA und Israels gegen den Iran seit dem 28. Februar 2026 weiter. Beide Kriege haben bisher für enormes Leid bei der betroffenen Bevölkerung gesorgt, aber auch zu schweren weltweiten wirtschaftlichen Verwerfungen geführt. Man mag nicht an einem Badestrand mit leichter Urlaubslektüre liegen, während anderswo Menschen sterben.
Dennoch möchte man zumindest im eigenen Urlaub vergessen, nur für ein paar Tage. Ein durchaus nachvollziehbarer, sehr menschlicher Wunsch. Der wird uns allerdings nicht gewährt. Anfang September wird ein neuer Landtag in Sachsen gewählt, eine Woche später folgen die Kommunalwahlen in Niedersachsen. Ebenfalls im September wird in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern gewählt. Mit fünf weiteren Wahlen und der Wahl des Bundespräsidenten wirft 2027 bereits seine Schatten.
Rudis echtes Sommerloch
Einst sang Rudi Carrell „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer?“. Rückblickend war die Welt 1975 gefühlt ein Stück besser als heute. Zumindest wenn man Ölkrise und Strukturwandel, Terrorismus und andere Dinge ausblendet. So wie wir Rentenreform, Gesundheitsreform, Kürzungen beim Unterhaltsvorschuss und den Wegfall der Minijobs. Wen trifft es? Alleinerziehende, Studierende und die unteren Einkommensschichten. Dabei ist die SPD Gerüchten zufolge Teil der Bundesregierung. Es wirkt aber so, als wäre echte sozialdemokratische Politik schon vor Jahren in einem Sommerloch verschwunden.
Das macht den Kommunalwahlkampf als Mitglied der SPD nicht gerade einfach. Aktuell fühlt es sich an, als wären einem für einen 2000-Meter-Lauf die Beine zusammengebunden worden. Zusätzlich wirft dann jemand vom Rand aus immer wieder Stöcke. Mal vor die Beine, mal direkt vor den Kopf.
Im Übrigen heißt es „ich erinnere mich“ und nicht „ich erinnere“. Letzteres ist genauso ein Unfug wie „Sinn machen“. Das ergibt nämlich nur im Englischen Sinn.