Für den schnellen Segen zwischendurch gibt es im Kölner Dom keinen Drive-in-Schalter. Beim Beschluss des Eintrittspreises hatten dafür aber einige etwas getankt.
Rabatte für die Nachfrage
Das Steuergeschenk für Dienstwagenfahrer und Besserverdienende (umgangssprachlich Tankrabatt) ist gestern ausgelaufen. Wer besonders viel gefahren ist, hat am meisten davon profitiert. Trientje aus Wybelsum, die von ihrer kleinen Rente über die Runden kommen muss, hatte vom Tankrabatt, wie der größere Teil der Bevölkerung, eher weniger. Gekostet hat es uns dafür 1,6 Milliarden Euro. Zumindest steht damit jetzt fest, was uns der blinde Aktionismus gekostet hat. Während in den Konzernzentralen der Mineralölindustrie die letzten leeren Sektflaschen weggeräumt werden, blicken wir nüchtern auf die Tatsachen.
Von nicht wenigen Experten wurde abgeraten, den Tankrabatt überhaupt erst einzuführen. Er ist nicht wirklich sozial gerecht, und ökologisch wie ökonomisch ist er grober Unfug. Wenn es zu einer Verknappung des Angebots kommt, muss entweder die Nachfrage sinken oder der Preis steigen. Anreize zur Verhaltensänderung gibt ein Tankrabatt nicht. Es ist ein „weiter so“ auf Kosten von Umwelt und Steuerzahlern.
Will man einen sozialen Ausgleich schaffen, führt der Weg über die Steuer. Entweder über eine einkommensabhängige Gutschrift für Geringverdiener oder über eine Senkung der Mehrwertsteuer für Lebensmittel, um zwei der Möglichkeiten zu nennen.
Der Krieg zwischen den USA und dem Iran dauert an, die Benzinpreise sind weiterhin hoch. Oder um es auf den Punkt zu bringen: zwei Monate Zeit und Geld verschwendet, statt eine richtige Lösung umzusetzen.
Eintritt für den Kölner Dom
Apropos richtige Lösung. Ob der katholischen Kirche in Köln jetzt der große Wurf zur Lösung der fortlaufenden Sanierungskosten für den Kölner Dom gelungen ist, darf man getrost bezweifeln. Seit dem 1. Juli kostet der Besuch des Kölner Doms Eintritt. Jetzt könnte ich als evangelisch-reformierter Mensch freilich sagen, wie egal mir das ist. Vor allem, weil ich in Emden und somit weit weg von Köln lebe.
Mir lässt das aber nicht kalt. In den zehn Jahren, die ich in Köln gelebt hab, war ich oft im Dom. Weder zum Gottesdienst noch zum Gebet. Sondern einfach, um die spirituelle Atmosphäre in mich aufzunehmen, ein Stück weit den Trubel von draußen hinter mich zu lassen. Kurz einfach einmal auftanken. Hatte mein Zug Richtung Ruhrgebiet morgens mal wieder Verspätung, war der Kölner Dom meine Anlaufstelle.
Würde ich noch in Köln leben, müsste ich jetzt für jeden Besuch 12 Euro bezahlen. Selbst eine (um Gottes Willen!) Konvertierung zum katholischen Glauben würde daran genauso wenig ändern wie der Umstand, in Köln seinen ersten Wohnsitz zu haben. Wie beim Tankrabatt ist das eine unsinnige Aktion, bei der man allerdings nicht glauben darf, sie sei in zwei Monaten wieder vorbei. Wenn wir eins wissen, dann, dass die katholische Kirche Durchhaltevermögen hat, auch wenn sie im Unrecht ist.