Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Die Pommes frites sind das neue Symbol der Proteste gegen Rentenreform und Klimawandel. Schuld daran ist die Deutsche Bahn.

Pommes für den Klimawandel

Eins ist auf jeden Fall sicher. Sowohl der Klimawandel als auch die Notwendigkeit einer Rentenreform sind Tatsachen. Man kann zwar einen Aluhut tragen, aber beide Probleme verschwinden nicht einfach durch Wegschauen. Zudem wird über beide hitzig und kontrovers diskutiert. Die Parallelen gehen sogar noch weiter. Insbesondere jüngere Generationen sind besonders betroffen.

Was den Klimawandel angeht, spürt man die Folgen altersunabhängig auch schon jetzt. Während ich diese Zeilen schreibe, sitze ich im abgedunkelten Büro und hoffe, dass die Temperaturen in den nächsten zwei Tagen zumindest nicht in die Nähe von 40 Grad kommen werden. Schließlich bin ich auch nach Ostfriesland gezogen, um den Hitzewellen in Nordrhein-Westfalen zu entkommen.

Blicke ich auf die ersten sechs Monate dieses Jahres zurück, fallen mir nicht viele Tage ein, die ein irgendwie normales und angenehmes Wetter hatten. Viel Schnee und Kälte, reichlich Regen und Wind und jetzt mehr Sonne, als man möchte. Wann wird es endlich wieder richtig Sommer? Nie mehr, muss man leider feststellen. Zumindest, wenn man den Wohlfühlsommer aus der oft verklärten Kindheit und Jugend im Kopf hat. Wo es im Freibad so herrlich nach Pommes roch. Apropos Pommes. Die wurden jetzt im Bordbistro der Bahn abgeschafft. Schuld daran ist diesmal nicht die Bahn selber, sondern eine EU-Vorgabe für das Kältemittel der für die Pommes im Bordbistro verwendeten Tiefkühlung. Und nein, nicht an 80 Prozent aller aktuellen Probleme sind entweder die Bahn oder die EU schuld. Aber das mit dem Kältemittel hat wiederum was mit dem Klimawandel zu tun. Zudem sind in der Bahn auch Rentner unterwegs, was uns dann wieder zur Rentenreform bringt.

Dauerthema Rentenreform

Angesichts der Hitzewelle habe ich darauf verzichtet, nachzuschauen, wie lange das Thema Rente und Rentenreform schon wie ein Gespenst durch Deutschland geistert. Es müssen aber Jahrzehnte sein, denn der Spruch des damaligen Bundesarbeitsministers Norbert Blüm „Die Rente ist sicher“ kam ja nicht von ungefähr.

Mit der Rente ist es schon immer wie bei vielen anderen Themen. Sie ist etwas, was sich nur gemeinsam generationsübergreifend stemmen und lösen lässt. Politik nur für eine Generation hilft am Ende niemandem. Von daher sollten wir alle über Partikularinteressen hinaus an einem stabilen Rentensystem interessiert sein.

Von der Rentenkommission kam eine ganze Reihe von vorgeschlagenen Maßnahmen für eine Rentenreform. Seitens des Bundeskanzlers Friedrich Merz (CDU) und der Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) gab es das Signal, die Vorschläge vollständig umsetzen zu wollen. Sie begründen es damit, dass die Vorschläge nur als Gesamtkonzept funktionieren würden.

In der Sache muss man dem zustimmen. Sich lediglich Einzelaspekte herauszugreifen (siehe Gesundheitsreform) hilft niemandem. Die Frage bei der Rentenreform ist daher eigentlich, ob sie weit genug geht. Eigentlich müssten wir uns nicht nur viel stärker an einem Modell wie in den Niederlanden orientieren, sondern es genau so machen, damit es solide wird. Die Beispiele, in denen einzelne Aspekte für eine Reform aus anderen Ländern portiert wurden und wo es gründlich in die Hose gegangen ist, sind zu zahlreich, um sie alle aufzuzählen.

Das größte Problem bei der Rentenreform ist das gleiche wie beim Gebäudeenergiegesetz der Vorgängerregierung: fehlende Einsicht und fehlender Reformwille bei den Bundesbürgerinnen und Bundesbürgern, verbunden mit der Bereitschaft, lieber völkische Märchenerzähler wie die von der AfD zu wählen, als sich den Tatsachen zu stellen.

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