Ein Teigmaschine lässt sich von keiner KI eine Rede schreiben. Dagegen ist die Verwendung eines E-Bikes bei einem Ghostwriter zumindest vorstellbar.
Teigmaschine fährt E-Bike
Die Verwendung eines E-Bikes bei der Tour de France würde vermutlich genauso zu Empörung führen, als gäbe es Doping im Radsport. Moment, schlechter Vergleich. Fangen wir noch mal von vorne an, bleiben aber beim E-Bike. Derzeit habe ich noch keins, nach wie vor gilt „Waden statt laden“ für mich. Es ist im Alltag natürlich unschön, wenn man als Vielfahrer von Sonntagsfahrern, die breitbeinig auf ihrem E-Bike sitzen, überholt wird. Trotzdem würde ich nicht auf die Idee kommen, E-Bikes zu verteufeln. Sie sind für mich genauso wie Fahrräder mit klassischem Muskelantrieb ein Fortbewegungsmittel. Darüber hinaus ist jedes E-Bike ein Auto weniger. Wenn also der erwähnte Sonntagsfahrer ein E-Bike nutzt statt das Auto, ist das auf jeden Fall ein Gewinn.
Das gilt meiner Meinung nach auch für die Teigknetmaschine, mit der ich Teig zum Beispiel für selbstgemachte Pizza zubereite. Es geht auch komplett von Hand, aber warum soll ich kein Werkzeug nutzen, um es mir leichter zu machen? Die Entscheidung über Zutaten und darüber, was für einen Teig ich machen möchte, bestimme noch immer ich. Niemand würde auf die Idee kommen, infrage zu stellen, dass ich die Pizza nicht selbst gemacht habe.
Die Bibel hat Ghostwriter
Man könnte freilich darüber diskutieren, ob die Pizza von Dr. Oetker wirklich von ihm stammt oder nicht von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in einer Fabrik unter intensivem Einsatz moderner Technik. Die Diskussion würde aber niemand führen, da der erste Dr. Oetker längst tot ist und jeder weiß, dass der Name schon lange Marken- und Firmenname ist.
Nehmen wir statt Pizza mal Texte. Eines der wohl bekanntesten Schriftstücke dürfte die Bibel sein. Hier kann man sich wirklich streiten. Es gibt eine ganze Reihe von auch namentlich erwähnten Autoren, und man munkelt, der eigentliche Urheber hinter dem Ganzen wäre ein gewisser Gott. Bei der Bibel wird es vermutlich auch schon zahlreiche sogenannte Ghostwriter gegeben haben. Wer weiß schon heute genau, ob tatsächlich dieser Johannes das Evangelium nach Johannes verfasst hat oder sein Praktikant. Hinter „Genesis“, dem ersten Buch von Thora und Bibel, steckt mit Sicherheit auch ein Ghostwriter. Das ist nicht verwerflich und auch in Zeiten vor der Verwendung von KI durchaus üblich. So sind die Buchhandlungen und Antiquariate voll von Biografien von Persönlichkeiten der Zeitgeschichte, die sich ihre Texte haben schreiben lassen. Es ist auch durchaus nichts Ungewöhnliches, wenn sich Politiker ihre Reden schreiben lassen. Allerdings taten das bisher Menschen im Hintergrund, entweder als Ghostwriter oder sogar als erwähnte Redenschreiber.
KI als Redenschreiber
Seit einigen Tagen schlagen die Wellen wieder hoch, weil sich Politiker und Journalisten von einer KI haben helfen lassen. Ihre Texte seien mit KI geschrieben, wird geschrien, und eine neue Sau wird durchs Dorf gejagt. Hier sollte man mal ganz entspannt auf dem Teppich bleiben. Eine KI ist ein Werkzeug. Zum aktuellen Stand produziert sie nur etwas auf Anweisung (siehe oben, Teigzubereitung). Natürlich gibt es Menschen, die einer KI blind vertrauen. Das ist in etwa so, als würde man als Fußgänger bei roter Ampel über die Straße gehen und nicht mal nach rechts und links schauen.
KI-Nutzung ist weder schlimm noch ein Riesenfehler. Über Formen der Kennzeichnung kann man freilich diskutieren. Der angebliche Skandal ist kein Skandal. KI kann eine große Chance sein. Hier sollte man zudem auch mal darüber nachdenken, wie hilfreich es zum Beispiel für Menschen ist, die große Probleme haben, Texte selber zu schreiben. Mit dem richtigen Werkzeug bekommen sie eine Stimme. Meiner Meinung nach eine Bereicherung.
Im Übrigen, diesen Text habe ich selber geschrieben. KI kam nur für die Korrektur von Rechtschreibung und Grammatik zum Einsatz.