Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Emden im Zusammenhang mit Gamel klingt nicht abwegig und falsch. Das fehlende m ist dem norwegischem Wort geschuldet.

Neues Filmbuffet

Bis einschließlich heute fand in Emden das 36. Internationale Filmfest statt. Für meine Frau und mich war es allerdings erst das zweite Mal. Nach dem letzten Jahr mit lediglich drei Filmen haben wir uns dieses Jahr die doppelte Menge vorgenommen und geschafft. Was wir in den drei Tagen von Freitag bis Sonntag angeschaut haben, schaffen andere an einem Tag. Uns wäre das zu viel, man muss die Filme ja auch irgendwie verdauen. Besonders dann, wenn man sich die anspruchsvolleren aussucht. Das waren in unserem Fall:

  • „Everything Must Go“ und „Hangashore“ am Freitag
  • „Der Heimatlose“ und „Árru“ am Samstag
  • „Shelf Life“ und „Hallo Betty“ am Sonntag

Erst am Sonntagabend ist mir dann nach dem letzten Film „Hallo Betty“ aufgefallen, dass ich die Filme zufällig thematisch ausgesucht und gruppiert hatte. Am Freitag dreht es sich bei beiden Filmen um einen verstorbenen Vater, auch wenn die Handlung völlig anders verlief. Samstag ging es um das Verlassen eines Ortes, zumindest als Klammer der Handlung. Und am Sonntag dreht es sich bei beiden Filmen ums Essen — man verzeihe die sehr grobe Kategorisierung aller sechs Filme.

Menschen werden Gamel

Ein roter Faden ließe sich ziehen von „Shelf Life“ zu „Everything Must Go“. Die Verknüpfung von der Käsereifung und dem Altern von Menschen in „Shelf Life“ fand ich schon beim Lesen der Beschreibung im Filmprogramm interessant. Reifen und (ver-)gammeln. Das ist es auch, was wir als Menschen beim Älterwerden empfinden. Es kommt dann der Moment, an dem man für immer verschwindet und die Hinterbliebenen sich um den Nachlass kümmern müssen, so wie in „Everything Must Go“. Das Haus des verstorbenen Vaters ausräumen, vorher alles sichten und sich mit der vom Vater geschiedenen Mutter herumschlagen, die nach Jahrzehnten Ansprüche geltend machen will.

Dabei erinnern sich die drei Geschwister auch an ihre Kindheit und Jugend. In aller Klarheit stellen sie jedoch fest, dass sie jetzt eben alt sind. Der norwegische Begriff dafür lautet gamel. Vi blir alle gamle — wir werden alle alt. So wie der Käse. Der reift, und daher finde ich es viel schöner, was die Spanier fragen.

¿Cuántos años tienes?
Wie viele Jahre hast du?

So klingt es nicht nach Verlust, sondern Gewinn. So wie eben Käse oder auch Wein. Mit der Zeit wird es besser.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

DSGVO Cookie Consent mit Real Cookie Banner