Die beste Strategie zur Vermeidung von Altersarmut besteht in Deutschland aus sozialverträglichem Frühableben. Die Rente selber ist alles andere als sicher.
Schneebälle zum Sommeranfang
Nehmen wir eine Geschäftsform, deren essentielle Grundlage die Anwerbung neuer Teilnehmer ist. Essentiell deshalb, weil das Versprechen utopischer finanzieller Ausschüttungen nur dadurch erzielt werden kann. Vorherige Teilnehmer bekommen ihren Anteil nicht aus Rücklagen oder erwirtschafteten Gewinnen, sondern aus den Einzahlungen der neuen Teilnehmer.
Das klingt nicht nur nach einem Schneeballsystem (oder Pyramidensystem), sondern ziemlich genau nach unserem Rentensystem. Das hat, genau wie das Schneeballsystem, eine ganze Reihe Konstruktionsfehler. Spätestens dann, wenn mehr Empfänger als Einzahlende existieren, gerät es in Schieflage. Die lässt sich auch noch beschleunigen, wenn Beiträge zweckentfremdet werden.
Auflösen lässt sich die Schieflage nicht wirklich, wenn man keine radikale Reform angeht. Der Zusammenbruch lässt sich lediglich hinauszögern. Oft verbunden mit der Hoffnung, irgendwann würde das System dadurch gerettet werden, dass es wieder mehr Einzahlende gibt. Wie das ganze Rentensystem selbst ist das auch wieder nur eine Wette.
Kommen wir aber zu den Stellschrauben für eine vorübergehende „Reparatur“ — so effektiv, wie eine Autotür mit Panzertape anzukleben. Man kann das Eintrittsalter genauso wie die einzuzahlenden Beiträge erhöhen und man kann das Rentenniveau von derzeit 48 auf 46 Prozent (oder noch tiefer) senken. Die eigentliche Ursache löst das jedoch nicht.
Private Rente als Lösung?
Jetzt könnte man freilich auf die Idee kommen, die Verantwortung für die Altersversorgung nach unten zu delegieren, die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu verpflichten, mindestens einen Teil ihrer Altersversorgung eigenverantwortlich zu regeln. Erfolgloses Beispiel an dieser Stelle wäre die sogenannte Riester-Rente.
Eine sozialdemokratische Idee nennt sich „Gerechtigkeitskomponente“, bei der Beamte in die gesetzliche Rentenkasse einzahlen würden. Damit wäre das Modell einer Pensionskasse, bei der die Zahlungen zu 100 % aus Steuermitteln erfolgen, ebenso Geschichte wie ein Höchstsatz von 71,75 % des letzten Bruttogehaltes. Klingt gut, dürfte aber kaum realisierbar sein, denn die Widerstände sind massiv — zudem sitzen nicht wenige derer, die es betreffen würde, an den Schlüsselstellen zur Ausarbeitung und Umsetzung solcher Vorhaben.
An dieser Stelle muss man sich allerdings fragen, ob es noch andere Auswege gäbe. Die Antwort liegt, zumindest von Ostfriesland aus betrachtet, mehr oder weniger vor der Haustür. Die Niederlande setzen auf ein Drei-Säulen-Modell mit einer Allgemeinen Rentenversicherung (eine Basisrente, die nahezu jeder erhält und die einkommensunabhängig ist), einer Arbeitnehmerversicherung und einer individuellen Rentenversicherung. Im Ergebnis wird dadurch nicht nur ein höheres Rentenniveau erzielt, sondern auch eine Rente ausgezahlt, bei der bereits Einkommensteuern und Sozialversicherungsbeiträge abgezogen wurden. Davon kann man sich mindestens eine Scheibe Gouda abschneiden.