Mit Wolfgang Kubicki als designiertem Parteivorsitzenden wählt die FDP nichts anderes als den Freitod. Keine gute Nachricht für die Demokratie.
Viel Häme statt Höhe
„Alle erfolgreichen Parteien gleichen einander, jede erfolglose Partei ist auf ihre eigene Weise erfolglos.“ — Das Zitat stammt natürlich so nicht aus dem Roman „Anna Karenina“ von Leo Tolstoi. Der schrieb über unglückliche Familien. Von Familien zu Partei-Familien ist der Weg jedoch nicht sehr weit. Zudem hängen Erfolglosigkeit und Unglück mit Sicherheit zusammen.
Bewegen wir uns aber weg von der großen Weltliteratur und begeben uns unter die Fünf-Prozent-Hürde. Wenn man dort an Unglück und Misserfolg denkt, fällt einem mit Sicherheit die FDP ein. Hier müsste man freilich doch trennen, denn Unglück trifft einen unverschuldet, Misserfolg erfordert schon einiges an Anstrengung und ist, im Falle der freien Liberalen, selbstverschuldet. Immerhin ist die FDP nicht unmündig. Was es jedoch nicht besser macht, denn Aufklärung wird in ihrem Fall nichts nützen.
Man muss politisch nicht besonders bewandert sein, um im nächsten Akt des Dramas „Neuer Vorsitzender der FDP — es muss ein Mann sein“ den gewählten Freitod der Liberalen vorauszuahnen. Der Spannungsbogen ist dabei recht flach. Ein junger Bewerber um das Amt des Parteivorsitzenden kneift vor einer Kampfkandidatur, um das Feld einem alten Hasen zu überlassen: Wolfgang Kubicki, der rechte Blinker der FDP, soll der FDP wieder zum Erfolg verhelfen. Das kann man nicht einmal dann glauben, wenn man es sehr gut mit der Partei meint. Apropos Blinker. Angler wissen ja folgendes:
Der Blinker gehört zu den Klassikern unter den Kunstködern – und das aus gutem Grund: Mit seinem taumelnden Lauf unter Wasser reizt er Raubfische.
Damit kann man Kubicki gut einordnen.
Wählt die FDP den Freitod?
Mit Wolfgang Kubicki, dem Airfryer der FDP, wählt seine Partei offensichtlich den Freitod. Wie soll man es auch anders interpretieren, wenn jemand den falschen Kurs noch weiter zu verschärfen beabsichtigt und die Liberalen ihn dafür zum Parteivorsitzenden machen wollen.
In lediglich vier Landtagen ist die FDP noch vertreten. Kein so schweres Ziel, dort auch noch rauszufliegen. Auf Bundesebene spielt sie bis zum Ende der Legislaturperiode keine Rolle mehr. Das kann man gut finden. Es ist aber eigentlich schade um ein echtes freiheitlich-liberales Korrektiv in der Politik. Von daher ist der Freitod der FDP nur zu bedauern.