Ein Zusammenhang zwischen Ladepositas und Friedrich Merz gibt es nicht. Auch keinen zwischen E-Autos und sinkenden Zustimmungswerten.
Wer Buh ruft, muss auch Merz sagen
Friedrich „Beaker“ Merz erntete während seiner Rede auf dem DGB-Bundeskongress Pfiffe und Buhrufe. Natürlich ist so etwas in ähnlicher Weise überraschend wie nass zu werden, wenn man ohne Regenschirm das Haus verlässt und es in Strömen regnet. Wer den Menschen in Deutschland einen im höchsten Maße ungerechten Umbau des Sozialstaates vor die Füße wirft, muss mit Gegenwind rechnen. Der 8-Stunden-Tag ist eine richtige und wichtige Errungenschaft. Daran zu rütteln, hat nichts mit Flexibilität zu tun — dafür gibt es nämlich bereits hinreichende Möglichkeiten. Es ist schlichtweg der Versuch, den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern mehr Arbeitszeit aufzubürden. Im Übrigen sollte man sich mal mit Paketzustellern unterhalten. Bei denen ist ein 14-Stunden-Tag derzeit auch schon eher die Regel als die Ausnahme.
Beim Bundeskanzler scheint es noch nicht angekommen zu sein, dass er uns nicht für dumm verkaufen kann. Natürlich muss die Bundesregierung eine ganze Reihe von Problemen lösen. Persönlich würde ich mir aber wünschen, an der Spitze würde jemand stehen, der mehr Regierungserfahrung hat als Friedrich Merz. Aus Umfragen geht hervor, dass ich mit diesem Wunsch nicht alleine bin. Nicht von ungefähr kommt Merz auf eine Zustimmung von lediglich 11 Prozent. Immerhin, so einen niedrigen Wert hat vor ihm noch niemand im Amt erzielt.
Wenn es helfen würde, könnte man sich das Reformprogramm der Bundesregierung auch schöntrinken. Zumindest solange wie man es noch kann, denn der Ärzteverband Marburger Bund fordert eine deutliche Verschärfung des Zugangs zu Spirituosen, orientiert am skandinavischen Modell mit einem Verkauf ausschließlich in lizenzierten Shops.
E-Autos verursachen Ladepositas
Grundsätzlich ist die Idee, den Zugang zu Spirituosen zu erschweren, keine blöde Idee. Auch wenn wir es nur zu gerne ausblenden, ist Alkohol die Volksdroge Nummer eins mit hohen Folgekosten für die Gesellschaft. Alkohol schadet nicht erst ab einer gewissen Menge pro Tag, sondern vom ersten Schluck an. Das wäre aber jetzt ein anderes Thema. Bleiben wir aber beim Tanken und der Gesundheit.
Laut einer von der Deutschen Allgemeinen Versicherung beauftragten Studie sollen E-Autos dick machen. Die Kurzfassung: Weil die Autos so lange an der Ladesäule hängen, würden die Fahrerinnen und Fahrer in der Wartezeit mehr snacken. Wurst, Softdrinks oder Schokoriegel etc. würden „getankt“ und zu Ladepositas führen. Hier wird ein Zusammenhang suggeriert, der so nicht gibt.
Tatsächlich hängt das individuelle Ernährungsverhalten nicht davon ab, wie viel Zeit man an der Ladesäule beziehungsweise Zapfsäule verbringt. Methodische Fragen stellen sich zudem auch noch. Nicht alles, wo „Studie“ draufsteht, ist auch wirklich aussagekräftig. Der Begriff Ladepositas ist zudem maßlos überzogen und verharmlost zudem das tatsächliche Problem. In Deutschland gibt es zunehmend mehr Menschen mit Übergewicht — darunter viele, die weder Auto noch E-Auto haben.
Ein Kommentar
Das Problem mit den vollen Ladesäulen nach Feierabend nervt extrem. Wir brauchen definitiv eine bessere Infrastruktur, wenn das mit der E-Mobilität im Alltag wirklich klappen soll.