Auch als Angehöriger der oberen Hälfte der Alterspyramide kann man Verständnis für die Belange der Gen Z haben. Zumindest teilweise.
USA macht Blau
Während Blau bei uns in Deutschland, zumindest politisch gesehen, eine nicht so positiv besetzte Farbe ist, steht die Farbe in den USA für die Demokraten. So wie es derzeit aussieht, färbt sich die Karte der USA nach den Zwischenwahlen (Midterms) für Kongress und Senat derzeit blau und verdrängt das Rot der WKTDH-Partei (wir küssen Trump den Hintern, ehemals MAGA, ehemals Republikaner). Das ist für die USA eine gute Nachricht, für Europa und die ganze Welt.
Allerdings stellt sich die Frage, wie der Präsidentendarsteller (nominiert für die Goldene Himbeere) damit umgehen wird. Ignorieren ist hier unmöglich, also gibt es eigentlich nur zwei Optionen: das Ergebnis anzweifeln, von Wahlbetrug reden und versuchen, dagegen vorzugehen, oder einen Bürgerkrieg vom Zaun brechen, indem er seine Anhänger aufstachelt. Beides hat er bereits in einem anderen Kontext durchgezogen.
Auch wenn Donald Trump nicht zur Wahl stand, ist das Ergebnis der Midterms doch eine deutliche Botschaft. Oft gewannen die Demokraten auch dort, wo Trump von ihm unterstützten Republikanern zum Sieg verhelfen wollte und der bisherige Amtsinhaber der Republikaner sein Missfallen fand. So eine Art umgekehrter Midas-Fluch. Apropos Fluch: Ein solcher lastet eigentlich immer auf den nachfolgenden Generationen. Schon Sokrates schrieb: „Die Jüngeren stellen sich den Älteren gleich und treten gegen sie auf, in Wort und Tat.“ Kommen wir also zur Gen Z.
Ein Steinwurf von Gen Z entfernt
Verständnis für die Jugend und ihre Proteste war vermutlich immer schon eher wenig vorhanden. Auch rückte man gerne berechtigte Proteste in den Kontext von Randale, Gewalt und Plünderungen. Entweder ganz plump oder durch die Hintertür, indem man in der Berichterstattung schreibt:
In der Fußgängerzone fand am späten Nachmittag eine Schülerdemonstration gegen den Unterrichtsausfall statt. In der Nähe wurde eine Schaufensterscheibe eingeworfen.
So kenne ich das noch aus meiner Zeit als Oberstufenschüler in Wesel. Persönlich habe ich viel Verständnis für die Proteste, auch wenn mir noch nicht klar ist, warum es Gen Z regelt heißt und was es mit dem Eichhörnchen auf sich hat. Bei folgenden Themen bin ich ganz der Meinung der Jugendlichen:
- Kaputte Schulen und Sparkurs
- Steigende Lebenshaltungskosten
- Ungerechte Lastenverteilung
- Mehr Überwachung
- Klimawandel
Allerdings habe ich zum Thema Wehrpflicht, wie schon mehrfach hier im Blog geäußert, eine deutlich andere Meinung. Auf der Website der „Bewegung“ steht:
Wir sollen für Kriege ausgebildet werden, über die wir nie mitentschieden haben.
Das kann man nicht so stehen lassen. Über den Krieg in der Ukraine hat niemand in Deutschland entschieden, das Land wurde rücksichtslos von Russland überfallen. Im schlimmsten Fall droht Gleiches auch anderen Ländern. Eine Wehrpflicht bedeutet nicht, dass man automatisch an die Front muss. Zudem gibt es auch immer die Option, den Dienst an der Waffe zu verweigern. Sollte ein Aggressor Deutschland überfallen, muss man sich überlegen, was man in dem Fall zu tun gedenkt. Bedingungslose sofortige Kapitulation? Oder erwartet man, dass sich genügend „Dumme“ gefunden haben, die unser Land und unsere Demokratie verteidigen?
Hier würde ich mir von der Gen Z eine deutlich reflektiertere Antwort als ein bloßes Nein zur Wehrpflicht erhoffen.