Ungarn wählte sich zurück nach Europa und eine Bundestagsabgeordnete der Grünen lief einen Halbmarathon.
Nur sehr bedingt Ungarn
Schaut man sich den Teaser an, könnte fast so was wie Hoffnung aufkommen. Nach 16 Jahren Regierungszeit wurde Viktor Orbán von den ungarischen Wählerinnen und Wählern abgewählt. Die restlichen Mitgliedsstaaten Europas (bis auf ein paar Ausnahmen) hoffen damit auf ein Ende der Blockadepolitik Ungarns bei EU-Entscheidungen. Verhaltener Optimismus ist vermutlich die beste Reaktion auf das Wahlergebnis. Ungarn ist weiterhin stark von russischen Energieimporten abhängig. Zudem ist Peter Magyar jemand, der seine Karriere in der Fidesz-Partei von Orbán begonnen hat — genau so wie seine zukünftige Außenministerin Anita Orbán (nicht verwandt mit Viktor Orbán).
Aber wir haben ja noch eine andere Schlagzeile vom zweiten Aprilwochenende. Die Grünenpolitikerin Ricarda Lang lief ihren ersten Halbmarathon. Bevor jetzt irgendjemand mit Häme, Bodyshaming etc. um die Ecke kommt: Ich finde, das ist eine großartige Leistung von Frau Lang, vor der ich enormen Respekt habe. Ein Halbmarathon, das sind 21 Kilometer. Das in zweieinhalb Stunden zu schaffen, muss man selber erstmal schaffen, bevor man seine Klappe aufreißt. Laut eigener Aussage wollte sie sich beweisen, dass sie das durchzieht.
Genau das ist der Spirit, mit dem man etwas verändern kann, gerade auch in Bezug auf seine Gesundheit. Nicht verändern kann man dagegen mit einem dämlichen Autokorso.
Von Emden bis nach Washington
Versuchen wir es mal mit einem einfachen Bild. Aus Protest darüber, dass die Feuerwehr meiner Meinung nach untätig ist, zünde ich mein Haus an. Klingt das logisch? Vermutlich genauso wenig wie wenn man mit einem Autokorso von Emden nach Berlin fährt, um damit gegen die zu hohen Spritpreise zu protestieren. Man muss sich an dieser Stelle ernsthaft fragen, ob es bereits eine Untersuchung über die beim Tanken entweichenden Dämpfe auf die Gehirnleistung gibt. Dem Organisator des Konvois ging es darum, ein sichtbares Zeichen zu setzen. In gewisser Weise ist das wohl auch gelungen.
Schauen wir uns doch mal etwas genauer die Zusammenhänge an. Die Preise für Rohöl und somit auch Benzin sind gestiegen, weil die Straße von Hormus durch den Iran blockiert wird — der zudem auch noch durch Raketenangriffe auf Anrainerstaaten die Ölförderung schwer behindert. Beides ist wiederum eine Reaktion auf den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg der USA unter ihrem Präsidenten Donald Trump gegen den Iran.
Weder Bundeskanzler Friedrich Merz noch die Bundesregierung haben das zu verantworten. Fakt ist: Wenn weltweit 20 Prozent weniger Öl zur Verfügung steht, muss auch der Verbrauch um 20 Prozent reduziert werden. So bitter das klingt, das geht nur über den Preis. Angebot und Nachfrage, ihr wisst schon. Ein Preisdeckel, Tankrabatte oder ähnliche Lösungen sind eine Milchmädchenrechnung.