Braunkohle steht für eine überkommene Art der Energiegewinnung. Sie ist für Mensch und Natur genauso schädlich wie die AfD.
Schwacher Trost
Eine fünfköpfige Familie überquert eine Straße. Eins der drei Kinder wird von einem Auto erfasst und kommt zu Tode. Wohl kaum jemand käme jetzt auf die Idee, die Eltern mit dem Hinweis zu töten, es sei doch nicht ganz so schlimm, sie hätten ja noch zwei Kinder.
So in etwa verhält es sich mit der Kommunalwahl in Nordrhein-Westfalen, die am vergangenen Wochenende stattfand. Die AfD legte kräftig zu, aber die CDU blieb im Durchschnitt stärkste Kraft.
- CDU 33,3 % (-1,0)
- SPD 22,1 % (-2,2)
- Grüne 13,5 % (-6,5)
- FDP 3,7 % (-19,9)
- AfD 14,5 % (+9,4)
- Linke 5,6 % (+1,8)
Genau betrachtet verliere alle demokratischen Partien mit Ausnahme der Linken, die Braunen —” denn eigentlich ist Blau die falsche Farbe für die AfD —” gewinnen kräftig dazu. Am stärksten Feder lassen mussten die Grünen. Die FDP konnte nicht davon profitieren, dass sie weder im Bundestag noch in der Bundesregierung eine Rolle spielt.
Schmerzlich sind die 2,2 Prozent Stimm-Verluste für die SPD. Arbeiterinnen und Arbeiter wählen zunehmend AfD statt SPD. Aus dem Revier der roten Kumpel wird ein Braunkohle-Revier. Verstörend, wenn man weiß, dass die AfD keine Partei für diejenigen ist, die sich abgehängt fühlen und daher Nazis wählen.
Zunahme der Braunkohle
Hier in Niedersachsen sind erst in einem Jahr Kommunalwahlen. Ein paar Monate noch, aber von einer Verschnaufpause kann man kaum eher nicht sprechen. Die Ergebnisse aus dem bevölkerungsreichsten Bundesland NRW werden Auswirkungen bis nach Berlin und in die Bundesregierung hinein haben.
Genau angesehen habe ich mir die Wahlergebnisse von drei Städten, in denen ich vor dem Umzug nach Ostfriesland gelebt habe.
Für Bielefeld sieht das so aus:
- CDU 29,4 % (+1,7)
- SPD 21,7 % (-3,2)
- Grüne 15,0 % (-7,3)
- FDP 4,8 % (-2,2)
- AfD 12,2 % (+8,8)
- Linke 10,5 % (+4,4)
Für Köln ein etwas anderes Ergebnis, hier sind die Grüne stärkste Kraft geblieben, wenn auch mit Verlusten.
- Grüne 25,0 % (-3,5)
- SPD 19,9 % (-1,7)
- CDU 19,9 % (-1,6)
- FDP 3,9 % (-1,4)
- Linke 10,8 % (+4,3)
- Volt 5,0
- AfD 9,12 % (+5,7)
Die AfD wird nicht zweistellig, mit sechs Parteien im Rat wird die politische Arbeit aber nicht einfach werden.
Der Kreis Wesel wähle wie folgt:
- CDU 33,2 % (+0,4)
- SPD 29,0 % (-0,6)
- Grüne 10,8 % (-8,2)
- FDP 3,5 % (-1,9)
- AfD 13,5 % (+7,9)
- Linke 5,5 % (+1,4)
Meiner Meinung bestätigen die drei Beispiele, wie ernst es um die SPD steht. Es ist ein deutliches Signal, dass eine ganze Wählerschicht verloren gegangen ist. Ob man die AfD inhaltlich stellen kann, wage ich für meinen Teil zu bezweifeln. Wenn die Wählerinnen und Wähler dieser Partei bereits jetzt nicht offen für rationale Argumente sind, wird sich das auch nicht künftig (so schnell) ändern.
Wer sich gegen ein AfD Verbot ausspricht, riskiert unsere Demokratie und sorgt dafür, dass aus Deutschland insgesamt ein Braunkohle-Revier wird.