Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Selbst ein weniger guter Film kann ein in einem etwas auslösen oder einer Erinnerung anstoßen. Warum mir Bauhaus gefällt, aber ein Film über einen Architekten nicht zusagte.

Erinnerungen aus der Kindheit

Bauhaus ist für mich fest mit meiner Kindheit verbunden. Nein, nicht die Design-Richtung Bauhaus und auch nicht der Baumarkt gleichen Namens. Sondern das damalige Geschäft —žHobby Bauhaus—œ in Wesel. Das Bastelgeschäft gab es bis Mitte der 2000er Jahre, zuletzt an einem anderen Standort in der Stadt. Ich kenne es noch, als an seinem ersten Standort an der Brückstraße war. Den Namen hatte das Geschäft im Übrigen von seinem Inhaber, der mit Nachnamen Bauhaus hieß.

Balsaholz für die Werkstunde im Unterricht bekam man dort genauso wie Revell-Farben für den Modellbau. Im Schaufenster interessierten mich aber am meisten die funkgesteuerten Fahrzeuge und Flugzeuge. Von denen wagte ich aber nicht mal zu träumen, so weit waren sie außerhalb dessen, was als Wunsch erfüllt worden wäre.

An den Geruch im Geschäft kann ich mich noch erinnern, auch die etwas dunkleren Beleuchtung. Oft an Samstagen auf dem Weg mit Eltern oder Großeltern zum Großen Markt führt der Weg an Hobby Bauhaus vorbei. Was mittlerweile dort ist? Keine Ahnung, vermutlich stehen die Geschäftsräume so wie viele andere in Wesel leer. Aber nach wie vor hängt das Schild an der Fassade.

Designhandschrift Bauhaus

In mittlerweile einigen Lebensjahren bin ich immer wieder über Bauhaus gestolpert. Nicht über das Geschäft aus Wesel und auch nicht über den Baumarkt. Der sehr markante Bauhaus-Stil ist es, der mir immer wieder begegnet. Inzwischen kann ich ziemlich genau sagen, dass mir dieser Stil sehr gut gefällt. Er zeichnet sich durch Klarheit, Funktionalität und die Verwendung geometrischer Formen aus. Dabei wird auf überflüssige Dekoration verzichtet. Schlichte, klare Linien und Formen stehen im Vordergrund. Bauhaus steht wie keine andere Stil für —žForm follows Function—œ.

Im Jahr 1919 wurde von Walter Gropius das —žStaatliche Bauhaus—œ in Weimar als Kunstschule gegründet. Unter der Nationalsozialisten 1933 geschlossen. Die konnten mit Bauhaus nichts anfangen, was sich bis heute hält. So verwundert es nicht, dass eine (in Teilen) rechtsextremistische Partei Bauhaus als —žIrrweg der Moderne—œ bezeichnet.

Wie dem auch sei, auf den Film —žDer Brutalist—œ war ich sehr gespannt, handelt er doch von einem jüdischen Architekten namens László Tóth, der im Dessauer Bauhaus ausgebildet wurde und den Holocaust überlebte. Mit seiner Emigration in die USA beginnt der Film. Von den über drei Stunden haben meine Frau und ich dann leider nur die Hälfte geschafft zu schauen. Obwohl der Film hervorragende Kritiken bekommen hat, gefiel er uns nicht. Er zieht sich in die Länge, verliert sich in Spielereien wie einer einminütigen Pause mitten im Film und entwickelt einen negativen Sog befeuert durch die Drogensucht der Hauptfigur.

Das László Tóth nur eine fiktive Figur ist, erscheint fast schon nebensächlich. Wirklich schade. Positiv ist allerdings, dass der Film einen in Bezug auf Bauhaus wieder auf die Spur bringt.

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