Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Sicher hat Frieden einen Preis. Ohne Freiheit ist Frieden jedoch nichts wert.

Einfach zum Mond schießen

Ostern verbinden die meisten Christen mit einer guten Botschaft. Aus meiner Sicht gab es für die gesamte Menschheit vor Ostern auch eine gute Nachricht. Zum ersten Mal seit über 50 Jahren sind wieder Menschen unterwegs zum Mond. Gut, der wird nur umrundet, immerhin geht es aber um die Vorbereitungen für eine Mondlandung. Seitdem ich denken kann, fasziniert mich der Weltraum und seine Eroberung durch den Menschen. Die Artemis-2-Mission ist ein Lichtblick nach gefühltem Stillstand.

Es gibt natürlich Stimmen, die sagen, die USA hätten die falschen Amerikaner zum Mond geschossen. Aber damit sind wir dann schon bei den üblichen schlechten Nachrichten und dem täglichen Trump-Wahnsinn. Der Krieg gegen den Iran geht weiter, aber hey, damit führen schon zwei (ehemalige) Supermächte völkerrechtswidrige Kriege gegen andere Nationen. So schlimm der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine auch ist, eins muss man Russland zugute halten: Putin versucht nicht, mit erpresserischen Methoden andere bisherige Bündnispartner in den Krieg zu verstricken (oder wir wissen noch nichts darüber), und er ändert auch nicht mindestens einmal täglich seine Meinung. Zudem glauben deutlich weniger Menschen, dass Russland eine Demokratie ist.

Krieg greift um sich, und eine alte Gewissheit drängt sich wieder auf: Nichts ist wirklich sicher, und wir leben trotz der langen Illusion einer friedlichen Zeit wieder am Rande des Abgrundes. Man sollte meinen, in diesem Jahr wären die Ostermärsche überdurchschnittlich besucht gewesen.

Nicht um jeden Preis Frieden?

Tatsächlich war die Abschlusskundgebung gestern Mittag in Emden mäßig in Bezug auf die Teilnehmerzahl. Nicht mal die Hälfte des Neumarkts war voll. Als mäßig empfand ich auch den Redebeitrag von Jaquelin Andres. Zu viele Dinge in einen Topf geworfen, vor allem zu undifferenziert. Und dann noch Parolen aus der Mottenkiste, die ich so schöner fände:

Guter Pudding, gutes Geld, Dr. Oetker kommt aus Bielefeld

Lassen wir den Quatsch an dieser Stelle. Jaquelin Andres hat mich genauso wenig überzeugt wie – und hier wird es für mich wirklich bitter – Heribert Prantl am 26. März im Rahmen einer Veranstaltung in der Johannes a Lasco Bibliothek. Ja, genau der Heribert Prantl, dessen Texte in der Süddeutschen Zeitung mich viele Jahre begleitet und geprägt haben. Bereits im Vorfeld hatte ich schon so ein Bauchgefühl, dass mich die Veranstaltung „Frieden in unfriedlichen Zeiten“ nicht ganz abholen würde.

Natürlich bin ich für Frieden, aber nicht um jeden Preis. Die bittere Erkenntnis aus meinen bisherigen Lebensjahren steht im Widerspruch zu Matthäus 5,39:

Ich aber sage euch, dass ihr nicht widerstreben sollt dem Bösen, sondern: Wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch dar.

Die Realität sieht leider so aus: Wer auch noch die andere Wange hinhält, wird erst recht zum Opfer. Nicht mal im Traum würde ich es wagen, den Menschen aus der Ukraine Matthäus 5,39 vorzulesen, wenn sie uns Deutsche um Waffenlieferungen bitten. Das unterscheidet mich nicht nur von Jaquelin Andres. Auch große Teile des Publikums bei der Veranstaltung mit Prantl zählten sich zu den extremen Pazifisten.

Als gegen Ende eine Schülerin davon sprach, dass sie zu Beginn des Krieges in der Ukraine 12 Jahre alt war, nicht wisse, warum dort gekämpft wird, und dass es schließlich nicht ihr Krieg sei und Deutschland sich raushalten müsse, ging mir eine Frage durch den Kopf: Was haben wir falsch gemacht?

Gerade wir hier in Ostfriesland sollten uns das Motto der Friesischen Freiheit vor Augen halten: „Lever dood as Slaav“

Frieden in Unfreiheit hat keinen Wert.

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