Die Landtagswahl in Rheinland-Pfalz zeigt vor allem eins: Die SPD kennt sich mit Abnehmen aus.
Nebenwirkungen nicht ausgeschlossen
Die gute Nachricht: Bei der SPD-Diät gibt es keinen Jojo-Effekt. Allerdings kann die radikale Diät drastische Nebenwirkungen haben wie den Verlust von Wahlkreisen, Ministerpräsidenten-Posten und Ämtern von (Ober-)Bürgermeistern.
Machen wir uns nichts vor. Aus der alten Tante SPD ist längst ein Magermodell geworden. Nicht erst seit der Wahlkatastrophe vom vergangenen Sonntag in Rheinland-Pfalz. Die aber ist schon eingeschlagen wie ein Meteorit. Apropos Meteorit: Gestern brachte Micky Beisenherz es im Podcast „Apokalypse und Filterkaffee“ gut auf den Punkt, indem er Florian Tomaszewski zitierte:
Stell dir vor, deine kosmische Reise als Meteorit endet in Rheinland-Pfalz.
Als mitleidendes SPD-Mitglied bleibt einem eigentlich nur übrig, sich der Forderung von Doris Schröder-Köpf anzuschließen. Bärbel Bas und Lars Klingenbeil müssen die Verantwortung übernehmen und von der Parteispitze zurücktreten. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird aber genau das nicht passieren. Die SPD tendiert in Fällen der Niederlage in den letzten Jahren immer stärker zur Wagenburgmentalität. Mit dem Ergebnis, den Niedergang damit noch weiter zu beschleunigen. Man versucht sich mit aller Gewalt an Vorstellungen von vorgestern zu klammern. Das Milieu der Arbeiter gibt es, so wie die SPD zu glauben scheint, nicht mehr.
Würde man in Berlin in der Parteizentrale versuchen anzurufen, um es dort den Verantwortlichen mitzuteilen, es würde niemand abnehmen. Man müsste ein Fax schicken.
Wie richtig abnehmen?
Was ich unter Brettspielern immer schätze (und nicht nur dort): mit Anstand verlieren können. Aber gut, schauen wir uns die Wahlergebnisse aus Rheinland-Pfalz an – wir wollen ja nicht über die Stichwahl zum Oberbürgermeister in München reden (Grüße gehen raus).
- SPD 25,9 % (-9,8 %)
- CDU 31,0 % (+3,3 %)
- Grüne 7,9 % (-1,4 %)
- AfD 19,5 % (+11,2 %)
- FDP 2,1 % (-3,4 %)
- Linke 4,4 % (+1,9 %)
Die SPD hat ein blaues Problem. Das wird sich auch nicht so schnell wegdiskutieren lassen oder von selber lösen. Mit Blick auf die anstehenden Wahlen wird mir ganz schlecht. Insbesondere, wenn ich an Emden denke, wo wie überall in Niedersachsen im Herbst Kommunalwahlen sind.
Versuchen wir das mal anders einzuordnen. In einem anderen Kontext beschäftige ich mich mit Übergewicht und Abnehmen (nicht wegen meines Gewichts, sondern generell – ist aber ein ganz anderes Thema zu einem viel zu frühen Zeitpunkt). Bei ernährungsbedingten Erkrankungen ist vor allem eine Sache zielführend: eine Umstellung der Ernährung. Dazu gehört auch, die bisherige Ernährung zu reflektieren. Echtes Reflektieren und nicht „Reflektieren“ in dem Sinne, dass man wie ein kopfloses Huhn über den Hof läuft – kenne ich mich als geborenes Landei im Übrigen auch damit aus.
Übertragen auf die SPD würde es bedeuten, sich als Partei mehr oder minder neu zu erfinden. Sich vor Augen zu führen, wofür man eigentlich steht. Sich für Pferdekutschen einzusetzen, wenn alle nur noch Autos besitzen, ist mehr Liebhaberei als etwas, mit dem man breite Massen erreichen kann.
Die Sache mit dem Bürgergeld
Zum Schluss noch eine Sache, die mich maßlos ärgert. Zumal sie auch immer wieder von enttäuschten SPD-Anhängern zu hören ist, die jetzt die AfD wählen. Ihrer Meinung nach hätte sich die SPD zu sehr um die Bedürfnisse von Beziehern von Bürgergeld gekümmert. Hier haben wir ein Kernproblem der SPD. Zum einen, weil die Aussage so nicht stimmt. Zum anderen, weil man den Wählerinnen und Wählern einfach nicht begreiflich machen konnte, was Solidarität bedeutet.
Für mich ist das ein gutes Beispiel für Versagen in der Kommunikation.