Der Cookit ist an sich ein tolles Gerät. Manchmal muss man trotzdem Abschied von ihm nehmen.
Warum er gehen musste
Vor etwas mehr als zwei Jahren zog der Cookit bei uns zu Hause ein. Gestern nahmen wir Abschied. Wie das so ist bei Beziehungen, die in die Brüche gehen, wird dann schnell die Frage gestellt, wer denn schuld sei. In diesem Fall ist es ziemlich eindeutig: Die Schuld lag bei uns und beim Cookit. Nach wie vor halte ich ihn für ein gutes Gerät. Freies Kochen mit bis zu 200 Grad ist möglich, genauso wie das einfache Anpassen von Mengen. Zudem ist kein Abo für Rezepte erforderlich.
Bevor wir uns Anfang 2024 für den Cookit entschieden, haben wir viel über andere Geräte gelesen und die Vor- und Nachteile abgewogen. Dazu kam der Testbericht von Stiftung Warentest, in dem der Cookit alle anderen Mitbewerber schlug. Das griff Bosch dann auch in Anzeigen auf: „Danke für das Vorwerk. Ab hier übernimmt der Testsieger.“
Wir hatten schon länger die Küchenmaschine geliebäugelt. Der Umzug ins eigene Haus mit mehr Platz erschien uns wie die Gelegenheit, endlich eine anzuschaffen. Wir hatten immer alles entweder von Hand oder mit einer Reihe von Küchengeräten gemacht. Lange stand die Bosch Mum als Option ganz oben auf unserer Liste. Nur konnte die halt nicht kochen.
Schneller Abschied
Wir gingen eine Reihe von Anwendungsfällen durch und wollten ein Gerät, das mehr als nur Teig kneten kann. Klar, kann die Mum auch, zum Beispiel Gemüse raspeln. Kochen kann die Mum aber nicht. Vom Cookit versprachen wir uns, häufiger mal mit weniger Aufwand zu kochen. Tja, und dann zog der Cookit bei uns ein. Ich fasse die Erfahrungen in den zwei Jahren mal zusammen. Recht schnell trat die Ernüchterung bei mir als Hauptnutzer ein. Mehr aus Pflichtbewusstsein plante ich einmal pro Woche ein Gericht ein, welches mit dem Cookit zubereitet wurde. Machen wir uns nichts vor, wirklich schneller ist man damit nicht. Er übernimmt vor allem das Rühren und die Einhaltung der Temperatur.
Schon beim Schneiden von Zwiebeln fängt es dann an, aus meiner Sicht absurd zu werden. Für den Cookit müssen die Zwiebeln geschält und halbiert, bei größeren geviertelt werden, bevor er sie sehr fein häckselt — als Schneiden würde ich es nicht bezeichnen. Geschmacklich unterscheidet sich das von Zwiebeln, die von Hand in Würfel geschnitten werden. Da meistens noch weitere Bearbeitungsschritte folgen, müssen die Zwiebeln umgefüllt und der Topf ausgewischt werden. Im Detail: Deckel ab, Kochtopf auf die Umfüllhilfe (sonst ist der Topf wirklich schwer), Zwiebelmatsch in eine Schüssel, Topf auskratzen und auswischen, wieder zurück in die Halterung und Deckel wieder drauf.
Ehrlich, die Menge Zwiebeln bekomme ich von Hand in einem Drittel der Zeit schöner geschnitten, also keine Tränen diesbezüglich beim Abschied.
Hand schlägt Maschine
In zwei Jahren waren es etwa 10 bis 15 Rezepte, die ich mit dem Cookit gekocht habe. Davon wiederholt Zimtschnecken, die wirklich genial sind, mehrfach Popcorn und in der Weihnachtszeit wurde der Cookit dann zum Glühweinwärmen verwendet.
Gemüseschneiden kann man mit dem Cookit auch. Das geht mit einem manuellen Gemüseschneider allerdings schneller, gleichmäßiger und man muss weniger saubermachen. Natürlich können fast alle Teile vom Cookit in die Spülmaschine. Die ist dann aber ziemlich voll mit dem ganzen Zubehör.
Schließlich noch die Sache mit den Rezepten. Wirklich toll, dass es kein Abo von Bosch dafür gibt. Aber die Rezepte stecken in der App oder dem Cookit, nicht in den Tools, mit denen ich schon seit sehr vielen Jahren meine Rezepte organisiere. Ich mag es immer quelloffen. Rezepte sind etwas, was über Generationen weitergegeben wird, verbessert wird und immer auch ein Stück Erinnerung sind. Nimmt man Abschied vom Cookit, sind die Rezepte im Gerät einfach weg.
Der falsche Use Case
Kommen wir zu dem, was wirklich bitter ist: der Use Case. Durch das Selbermachen von Pizzateig, Brötchen und Broten gibt es einen deutlichen Schwerpunkt bei uns in der Küche. Genau dafür halte ich den Cookit für denkbar ungeeignet. Ein Schlagmesser ist kein Ersatz für einen massiven Knethaken. Daher haben wir uns im vergangenen Herbst dann noch eine Mum gekauft — was aber auch irgendwie blöd war.
Die Mum hat zwar einen Knethaken, der aber sehr dünn ist. So etwas wie einen Teigbrecher gibt es nicht, dafür aber mitgeliefertes Zubehör, das ich mit identischer Funktion schon beim Cookit hatte. Wenn man rund drei Mal die Woche Teig zubereitet, hat man schnell die Angst, dass der Knethaken der Mum irgendwann bricht. Bei Handgeräten ist mir das schon mehr als einmal passiert. Zudem musste ich die Mum immer aufbauen und abbauen, weil der Platz, an dem sie hätte stehen können, bereits vom Cookit belegt war.
Kürzen wir es ab: Gestern nahmen wir Abschied vom Cookit, die Mum wird uns auch bald verlassen. Den Platz einnehmen wird genau das Gerät, was wir wirklich brauchen: eine Teigmaschine. Die macht nur Teig, aber mehr brauchen wir nicht.