Auch ohne Jeffrey Epstein könnte in Deutschland die erste Bahncard-EM stattfinden. Allerdings nicht für lediglich 7 Millionen Euro.
Olympia mit ICE-Truppen
Soweit ich das gehört habe, finden die Olympischen Winterspiele 2026 in Italien statt. Vermutlich weiß ich das aber auch nur deshalb, weil die USA die paramilitärische ICE-Truppe dorthin schicken wollten. Nicht als Teilnehmende fürs Biathlon, obwohl Rennen und Schießen ja etwa in Minneapolis kräftig geübt wurde. Die ICE-Beamten sollen zu Olympia für die Sicherheit hochrangiger US-Vertreter sorgen. Nun ja.
Den Olympischen Winterspielen begegne ich mit dem gleichen Interesse wie allen anderen Sportevents — mit jahrelang trainierter Desinteresse. Es fehlt den Spielen ohnehin an Alltagsbezug. So gibt es weder die Disziplin 100-Meter-Schneeschippen noch 1000-Meter-Lauf im Pinguin-Gang auf vereister Fläche.
Sogar bei Sportarten wie dem Radsport, zu denen ich eventuell ansatzweise Berührungspunkte hätte, verweigert mein Gehirn die korrekte Aufnahme von Schlagzeilen. So las ich dann vor ein paar Tagen statt „Roger Kluge holt Gold bei der Bahnrad-EM“ stattdessen „Roger Kluge holt Gold bei der Bahncard-EM“. Wobei ich mir das schon interessant vorstelle, so eine Bahncard-EM. Es ist ja nicht so, dass man sich einfach so in den Zug setzen kann, um von A nach B zu kommen. Die Reise mit der Bahn ist mit vielen Widrigkeiten verbunden und stellt Profis, die im Besitz einer Bahncard 100 sind, vor echte Herausforderungen.
Teilnahme an der Bahncard-EM
Sollte es irgendwann mal wirklich eine Bahncard-EM geben, würde ich mich auf jeden Fall um eine Teilnahme bemühen. Zumindest dann, wenn man die Sieger nicht zu einem Auftritt in einer Neuauflage von „Boah, Bahn! Wir sitzen alle im selben Zug.“ nötigen würde. Die im vergangenen Oktober gestartete Webserie wird allerdings derzeit keine Neuauflage bekommen. Hier ist allerdings unklar, ob das mit den bekanntgewordenen Produktionskosten von 7 Millionen Euro zusammenhängt, die die Bahn lieber hätte verschweigen wollen, oder mit der Einsicht, dass Selbstironie nicht immer das Mittel der Wahl bei Missständen ist.
Wo wir gerade bei hohen Geldbeträgen sind: Der Presse zu entnehmen ist, dass bei VW sechs Milliarden Euro gefunden wurden. Während die Betriebsräte umgehend eine Prämie für die Beschäftigten fordern, stellt sich der einfache Bürger vermutlich die Frage, wie diese Summe denn plötzlich aufgetaucht ist. Nicht verwendete Bestechungsgelder im Dieselskandal? Geldbündel unterm Teppich in der Vorstandsetage in Wolfsburg? Auflösung eines bisher geheimen Epstein-Kontos bei der VW-Bank? Nichts Genaues weiß man.
Apropos Epstein: Angesichts der Flut von veröffentlichten Dokumenten wird wohl einigen Prominenten, unter anderem der norwegischen Kronprinzessin Mette-Marit, der Kontakt zum verstorbenen Sexualstraftäter auf die Füße fallen. Nicht immer ist „Dabeisein ist alles“ eine gute Wahl.