Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Nicht nur hinter verschlossenen Türen zeigen sich rechtsnationalen Familientraditionen. Immer öfter erfolgt die Hinwendung zur AfD.

Blick in die Familiengeschichte

Über Marie-Christine Ostermann, Präsidentin des Verbands der Familienunternehmer, sind in den vergangenen Tagen eine ganze Reihe Artikel geschrieben worden. Ostermann scheint eine Frau zu sein, die offensichtlich die Brandmauer zur AfD einreißen will. Aber dazu später mehr.

Als ich meine ersten Gedanken zum Thema sammelte, stieß ich nicht nur auf die unrühmliche Geschichte einiger Familienunternehmen während der NS-Zeit, sondern stellte mir die Frage, ob es so etwas wie eine Familientradition im Hinblick auf bestimmte politische Strömungen gibt. Die Frage wiederum führte mich dann dazu, über meine eigene Familientradition diesbezüglich nachzudenken.

Über meine Großväter weiß ich erschreckend wenig. Der Vater meines Vaters ist früh verstorben, sodass ich ihn nicht mehr kennengelernt habe. Er war wohl im Krieg Koch in der Wehrmacht. Der Vater meiner Mutter gehörte zu einer Panzerbesatzung an der Ostfront, seine zweite Frau war stramme BDM-lerin.

Rückblickend verlief immer schon ein Graben durch meine Familie. Mein Vater ging auf Ostermärsche, demonstrierte gegen den Kapitalismus vor der Deutschen Bank in Frankfurt und würde nie AfD wählen. Bei meiner Mutter bin ich mir diesbezüglich nicht sicher. Eine Familientradition? Bei uns gab es mindestens zwei.

Unternehmen und ihre Familientradition

Kommen wir aber zu Frau Ostermann. In ihrer Funktion als Präsidentin des Verbands der Familienunternehmer hat sie angekündigt, die AfD inhaltlich zu stellen statt sie auszugrenzen. So ähnlich dachte 1933 auch Franz von Papen.

In zwei Monaten haben wir Hitler in die Ecke gedrückt, dass er quietscht!

Man kann die AfD nicht inhaltlich stellen. Was man machen kann: Mit den Wählerinnen und Wählern der AfD ins Gespräch kommen, sie aufklären und wieder für demokratische Parteien gewinnen. Mit AfD-Parteimitgliedern und Funktionären wird das nicht gelingen, das sind Überzeugungstäter. Es besteht daher anders als Frau Ostermann glaubt keine Notwendigkeit, sie zu Veranstaltungen einzuladen. Ein —žKontaktverbot“ zu AfD-Bundestagsabgeordneten ist Teil der politischen Hygiene und genauso wichtig wie Zähneputzen —” macht man es nicht, wird es braun.

Wenn man mit einer Gruppierung die Wertebasis nicht teilt, besteht kein Gesprächsbedarf. Warum Ostermann die Brandmauer zur AfD einreißen will, wird nicht wirklich deutlich. Vielleicht ist das auch so eine Art Familientradition? Schließlich haben viele traditionsreiche Familienunternehmen wie Bahlsen, Flick und andere von der NS-Herrschaft profitiert.

Wenn die Brandmauer nichts gebracht hat, muss man sie nicht einreißen, sondern über weitergehende Maßnahmen reden und diese auch umsetzen. Dringend geboten ist ein Verbot der AfD. Im Übrigen auch im Interesse Deutschlands und deutscher Familienunternehmen, denn die AfD ist nicht nur fremdenfeindlich und rückwärtsgewandt, sondern verkauft Deutschland an Russland. Wie anders sollte man es bezeichnen, wenn führende Köpfe der Partei die Nähe zum Kreml suchen?

Eine wichtige Familientradition wäre im Übrigen Haltung. Die zeigt aktuell das Familienunternehmen Rossmann, indem es seine Mitgliedschaft im Familienunternehmer-Verband kündigt.

Eine Antwort

  1. Für mich ist es keine Überraschung, ganz im Gegenteil, ich wäre überrascht, wenn sich das deutsche Kapital klar und deutlich gegen den Faschismus stellen würde. Das Vermögen kommt ja nicht nur aus Kolonialzeiten, also durch Sklaven und Co., was schon schlimm genug wäre, es stammt ja auch aus der NS-Zeit und da haben viele nicht schlecht verdient. Deswegen bin ich schon immer der Meinung, dass das Kapital – ich schreibe es so, damit es so allgemein wie möglich bleibt – sich im zweifel sofort wieder dem Faschismus zuwendet.

    Hinzu kommt, dass es da ja derzeit im rechtkonservativen-faschistischen Spektrum – also Union und AfD zusammen – eine gesellschaftliche Mehrheit gibt. Wir sollten das in den Betrachtungen nie vergessen.

    Positiv ist, dass einige Unternehmer*Innen Kante zeigen und aus dem Verband ausgetreten sind. Neben Rossmann ist da auch FritzCola zu nennen.

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